Globaler Zugriff auf iTunes Bibliothek der Linkstation (NAS)

20. April 2008

Mich plagte folgendes Problem: Meine Musik liegt auf meiner heimischen Netzwerkfestplatte (NAS – Network Attached Storage), auf die ich mit jedem Rechner im lokalen Netzwerk zugreifen kann. Besser noch: Meine Netzwerkfestplatte dient als MediaServer und iTunes erkennt die gesamten multimedialen Inhalte als freigegebene Bibliothek. Nun wollte ich aber die gleiche Funktionalität auch außerhalb des lokalen Netzwerkes haben. Denn oft wollte ich schonmal das neu gekaufte Album in der Uni hören oder Zugriff von Arbeit auf meine Musik daheim haben. Natürlich ist ein Teil meiner Bibliothek auch auf meinem iPod, der stets mit mir unterwegs ist, aber gänzlich passt mein Musikarchiv leider nicht auf meinen kleinen Freund.
Klingt nach einer grundlegenden Anforderung, mit der ich sicher nicht allein bin, was sich auch bestätigen sollte.

Hier also nochmal ein Auszug meiner heimischen Hardware:

Wie wird die Lösung grob aussehen?

  1. Dyndns-Account einrichten und in den Router integrieren
  2. Im Router die SSH-Port Weiterleitung zur Netzwerkfestplatte einrichten
  3. Netzwerkfestplatte für SSH und als MediaServer einstellen
  4. [UPDATE] SSH Verbindung auf Ordner abbilden mit MacFusion SSH-Tunnel vom externen Rechner zur Netzwerkfestplatte aufbauen, Network Beacon installieren und konfigurieren
  5. iTunes starten und Musik geniessen

Dank Dyndns ist der Zugriff immer möglich, obwohl die aktuelle IP des Routers unbekannt ist. Bei der Telekom wechselt diese ja mindestens aller 24 Stunden. Als nächstes wird per SSH auf das NAS zugegriffen und ein sogenannter SSH-Tunnel aufgebaut. Mit dem Tool Network Beacon wird dann dem (lokalen) Netzwerk vorgegaukelt, dass im (lokalen) Netzwerk eine iTunes-Freigabe präsent ist. Das ist notwendig, da iTunes nur Freigaben aus dem lokalen Netzwerk erkennt und Zugriff erlaubt.
Je nach Verbindungsgeschwindigkeit dauert es eine Zeit lang, bis iTunes die freigegebene Bibiothek ausgelesen hat.

Hier folgt nun noch eine genauere bebilderte Anleitung:

1. Dyndns-Account einrichten und in den Router integrieren

Account erstellen
DynDNS (dynamischer Domain-Name-System-Eintrag) ist ein System, das in Echtzeit Domain-Name-Einträge aktualisieren kann, d.h. dieser Dienst aktualisiert die Zuordnung zwischen Domainname und IP.
Unter Dyndns.com legt man sich einen Account an, notwendig ist dafür eine E-Mailadresse, Nutzername und Passwort, was man sollte sich ausdenken und merken sollte. Dann die „Terms of Service“ akzeptieren und anschliessend anklicken, dass man nur einen Account erstellt. Zum Schluss auf „Create Account“ klicken.
Wenn man nun noch den Link, den man per Mail zugeschickt bekommt, innerhalb der nächsten 48 Stunden bestätigt, wird das Benutzerkonto erstellt und man kann sich bei Dyndns einloggen.

Add Hostname
Nächster Schritt ist es, einen Host Service anzulegen. Dort überlegt man sich einen Hostnamen und wählt eine passende Endung aus (in meinem Beispielfall „myitunes.dyndns.org„). Als Service Type wählt man „Host with IP address“ und die aktuelle IP-Adresse trägt man in das entsprechende Feld ein. Unter diesem Feld kann man die aktuelle IP erkennen und mit einem Klick darauf, wird diese in das Feld eingetragen. Abschließend auf „Create Host“ klicken. Das war es schon bei Dyndns. Weiter gehts zur Routerkonfiguration.

2. Im Router die SSH-Port Weiterleitung zur Netzwerkfestplatte einrichten

Port Weiterleitung am Speedport W 701V
In der Konfigurationsoberfläche des Speedports muss man nun eine Regel erstellen, die einen Port-Zugriff von ausserhalb des lokalen Netzwerks auf eine bestimmte IP und Port eines Geräts innerhalb des Netzwerks weiterleitet.
Dafür gibt man die IP des Speedport in seinem Browser ein, standardmäßig die 192.168.2.1 beim Speedport. Dort einloggen und links in der Navigationsleiste Netzwerk wählen. Dort geht man in das Untermenü NAT & Portregeln, wo man auf Neue Portregel anlegen klickt. In diesem Menü gibt man als erstes eine Bezeichnung für die Regel ein („SSH zu NAS„), bestätigt die Aktivität der Regel und gibt nun die IP der Netzwerkfestplatte ein („192.168.XXX.XXX„). Als Protokoll wählt man TCP und bei den Eingabefeldern der Ports gibt man bei beiden 22 ein, d.h. dass der öffentliche Port 22 auf den internen Port 22 weitergeleitet wird. Natürlich kann man hier auch einen anderen öffentlichen Port wählen, der interne muss aber auf 22 gestellt sein. Zum Abschluss muss man die Einstellungen noch speichern.

3. Netzwerkfestplatte für SSH und als MediaServer einstellen

Dieses Kapitel ist wohl das kniffeligste, da man sich den SSH-Zugriff auf die Linkstation erst erarbeiten muss. Es gibt zahlreiche Anleitungen dafür im Netz, welche abhängig von der Linkstation sind. Ich gehe hier nur kurz darauf ein und beschreibe es exemplarisch. Ich habe die acp-commander-Methode genutzt.

  • ACP_commander herunterladen
  • java -jar acp_commander.jar -t 192.168.XXX.XXX -o

    , wobei 192.168.XXX.XXX die IP der Linkstation ist.

  • Nun kann man sich via telnet in die Linkstation einloggen (Name:root, kein Passwort):

    telnet 192.168.XXX.XXX

  • Man sollte schleunigst wieder ein Passwort anlegen:

    passwd

  • Nächstes Ziel ist es, SSH und Telnet standardmäßig mit jedem Starten der Linkstation mitzustarten. Dafür sollte man fähig sein den Kommandozeileneditor VI bedienen zu können.
  • In der Datei /etc/init.d/rcS vor dem „Step 3“ folgende Zeilen einfügen:

    /usr/sbin/telnetd
    /usr/local/sbin/sshd

  • Das war es auch schon für den SSH-Zugriff.

Um den Mediaserver zu aktivieren, muss man in das Webinterface der Linkstation. Dafür im Browser die IP des NAS eingeben, also 192.168.XXX.XXX. Dort im Menüpunkt „PCast“ den Mediaserver aktivieren und den Medienordner auswählen, wo die Linkstation nach der Musik suchen soll. Dann einfach auf „Übernehmen“ klicken und fertig ist dieser Teil.

4. SSH-Tunnel vom externen Rechner zur Netzwerkfestplatte aufbauen, Network Beacon installieren und konfigurieren

[UPDATE] Einfacher geht es, eine SSH Verbindung als lokalen Ordner einzubinden. Einfach hier nachlesen!

Im Terminal verbindet sich man nun mit seiner Netzwerkfestplatte, dank Dyndns ist die (externe) IP der Netzwerkfestplatte bekannt und das Verbinden ist kein Problem.

micha@macbookpro: ~>ssh micha@myitunes.dyndns.org -L 3689:127.0.0.1:3689
micha@myitunes.dyndns.org’s password:
bash: /etc/profile: Permission denied
bash-2.05b$

Nach Eingabe des Passworts und Authentifizierung der Zertifikate (ggf. „yes“ eingeben) hat man sich erfolgreich verbunden. Die Option -L sorgt ausserdem dafür, dass der lokale Port der Platte an den entfernten Port und Host des MacBooks weitergeleitet wird.
Einstellungen von Network Beacon
Auf dem externen Rechner, dem MacBook Pro, wird nun Network Beacon (nur für Mac OS X) runtergeladen und installiert (Windows Alternative hier).

Dann wird Network Beacon gestartet, falls nicht schon geschehen, und das Tool wie im Screenshot konfiguriert. Einen Service-Namen ausdenken („iTunes@home„), den Service-Typ („_daap._tcp.“) und die verantwortliche Portnummer („3689„) eintragen. DAAP ist das Digital Audio Access Protocoll, womit die Musik übertragen wird und ist im Prinzip eine Erweiterung des HTTP. In den lokalen Proxy-Einstellungen, gibt man localhost als Hostnamen und die 127.0.0.1 als IP-Adresse ein. Damit ist alles getan worden, dass iTunes die Bibliothek des NAS erkennen sollte.

5. iTunes starten und Musik geniessen

iTunes@home wird geladen
Es wird iTunes gestartet, unter „Gemeinsam genutzt“ sollte nun die Bibliothek „iTunes@home“ stehen, nach einem Klick darauf dauert es eine Zeit (je nach heimischer Internetverbindung, hier ist die Upstream-Geschwindigkeit entscheidend) bis die Bibliothek geladen wurde. Anschließend kann man sich seine Musik anhören, von überall und jederzeit. Großartig! Funktioniert wunderbar, auch mit der aktuellsten iTunes Version (8.0.2).

Einzig ein Problem bleibt. MP3s, die mit einer höheren Bitrate codiert sind, als die DSL-Uplink-Geschwindigkeit ist, stocken natürlich beim Abspielen. Hat man also bspw. DSL2000 so ist die maximale Uploadgeschwindigkeit ca. 200kBit/s. Alle MP3s, die besser als mit 200kBit/s codiert sind, kann man sich nicht wirklich anhören, da iTunes fortwährend die Lieder puffern muss. Das ist natürlich schade. Vor allem, nachdem ich mir bewiesen hatte, wie audiophil ich bin. Aber meistens erstelle ich die MP3s mit 192kBit/s. Glück gehabt!

PS: Nächstes Ziel ist dann, die Linkstation per WakeOnLan zu starten, dann brauch die Festplatte nicht ständig laufen. Scheinbar geht das aber nicht mit der „Live“-Edition der LinkStation sondern nur mit der „Pro“. Dabei dachte ich, dass beide baugleich wären. Schade.

micha | Newsblog | Kommentare | Trackback | Tags: , , , , , Zum Seitenbeginn springen

7 Kommentare zu “Globaler Zugriff auf iTunes Bibliothek der Linkstation (NAS)”

  1. 01

    Also ich habe mich sooo gefreut, eine gut beschriebene Anleitung zu lesen. Danke, danke, DANKE.

    Selten soo schön durch eine Problemlösung geführt worden.

    Der Klitzkleine Tränensack: Irgendwie will Itunes die (in der Freigabe erschienene Library) NICHT lange – also eher wenige Millisekunden – verarzten…. Dann ist sie weg – weg – Joo. Ansonsten klappt alles…. Entschuldigung – Ich bin natürlich nicht auf Apple unterwegs, sondern mit dem Laptop meistens mit Windows XP Professional bewaffnet, deshalb HIER evtl. ein „Pardon“ an alle Macianer, der ich ursprünglich auch einer bin. Naja: Die Kunden bestimmen manches Mal den Software-Ton. Leider kommt als Letztes noch der Mega-Absturz vom I-Tunes. Das will nun auf einmal garnicht mehr, weil es sagt, es fehlten ihm Komponenten… WATT ? Eben – ja eben – ging´s noch…. Ist es denn ein Zauber ??? Also erstmal shcöne Woche, und ich würde mich über eine „Räuberleiter“ freuen. Beste Grüße aus dem Rheinland.

    Arne Geisler am 17. Juni 2009 um 05:17
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  2. 02

    Hallo Arne,

    hast du mal deine Firewall ausgeschaltet und es dann probiert? Funktioniert dann das Auslesen der freigegebenen Library?
    Ich habe das unter Windows noch nicht gemacht. Es ist also eher Rätselraten, was ich hier betreibe ;)

    micha am 18. Juni 2009 um 13:08
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  3. 03

    Hallo Micha – so long ist´s her – Habe alles ausgeschaltet, was nur geht – funzt aber leider nicht mit dem „globalen Einlesen“ der Bibliothek. Schade. Sogar beim „lokalen“ LAN gibt´s Probleme, weil die Library evtl. zuuu umfangreich ist. Glaube einfach, dass diverse Parameter in der „Übertragungsstrecke“ eine Rolle spielen. Aber die Idee ist – nach wie vor – brilliant….

    Arne am 2. August 2009 um 01:20
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  4. 04

    […] nirgendwo drauf kommen….. es sei denn man richtet eine Portweiterleitung ein. Sie auch: Im Router die SSH-Port Weiterleitung zur Netzwerkfestplatte einrichten Vom Prinzip das gleiche….. nur dass Du Port 80 (

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  5. 05

    Hallo Micha,

    ein großes Lob für die Anleitung, ich habe lang darüber gegrübelt wie ich all meine Probleme im heimischen Netzwerkgewirr in den Griff bekomme (iTunes, Speicher, Netzwerkdrucker…). Wenn ich jetzt noch Ahnung hätte… Ich besitze einen Speedport W503V, stellt dies ein Problem da (???) oder macht es Netzwerktechnisch keinen Unterschied ?

    Gruß Carsten

    Carsten am 26. Dezember 2010 um 13:05
    Zum Seitenbeginn springen
  6. 06

    Hallo Carsten,

    ich kenne den W503V nicht, aber eine Port-Weiterleitung kann der Router sicher auch :)

    Micha

    micha am 29. Dezember 2010 um 20:58
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  7. 07

    Hi micha,

    bin soeben auf deine geniale Anleitung gestossen. Einfach super, vielen vielen Dank!!
    Habe die ganze Zeit nach einer Möglichkeit gesucht, mich über das Internet mit meinem iTunes Server zu mit einem ITunes Client zu verbinden.
    Hiermit hat es einwandfrei geklappt. Super Idee, so Apple und Co ein Schnäpchen zu schlagen.
    Muchas Gracias….

    Stefan am 10. September 2011 um 23:22
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